Gründungsinitiative FREIE SCHULE Zollernalb
Gründungsinitiative FREIE SCHULE Zollernalb

Fragen und Antworten

Ist diese Schulform in der Praxis schon erprobt?

Ja, die ersten FAS wurden bereits Anfang der 70er Jahre gegründet. Das anfangs sehr umstrittene Schulmodell erweitert seither erfolgreich die Bildungslandschaft weltweit. Die derzeit rund 90 FAS in Deutschland werden von ca. 7.700 SchülerInnen besucht. Weltweit gibt es eine wachsende Zahl ähnlicher Modellschulen.

 

Gibt es überhaupt so etwas wie Unterricht? Wie sieht der Unterricht aus?

An FAS gibt es Unterricht. Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig. Dabei werden Unterrichtsangebote gemacht oder der Unterricht kommt auf Wunsch der Schüler zustande. Unterricht kann ganz unterschiedlich stattfinden: Kurse, Projekte, offene Angebot oder auch Einzel-Lernvereinbarungen. Die konkrete Form des Unterrichts bestimmen Schüler und Mitarbeiter gemeinsam.

 

Wie wird sichergestellt, dass die Schüler das "Grundwissen" lernen, das an anderen Schulen gelernt wird?

Es ist nicht unbedingt das Ziel einer FAS, dass jeder Schüler das gleiche in einem Lehrplan festgelegte Wissen erhält, in der Hoffnung möglichst viel davon im späteren Leben anwenden zu können. Die Themenbereiche des Lebens sind extrem vielfältig und egal ob Schüler einer FAS oder einer Regelschule - alle werden eines Tages einem Thema gegenüber stehen, das ihnen neu ist. Ziel von FAS sind viel mehr, die Schüler den Umgang mit neuem Wissen täglich neu erproben zu lassen. Dabei lernen sie, welcher Lerntyp sie sind und wie sie sich neues Wissen selbständig erarbeiten können. Sie lernen zudem ihre Schwächen und was viel wichtiger ist, ihre Stärken kennen.

 

Nach welchem Lehrplan lernen die Schüler?

Es gibt keinen Lehrplan, der für alle verbindlich ist. Vielmehr lernt jeder das, wofür er sich entscheidet. Er muss sich nicht im Vorhinein auf bestimmte Themen festlegen, sondern kann auch spontan entscheiden. Einen Überblick über die Inhalte der gängigen Unterrichtsfächer können die Schüler Kompetenzrastern entnehmen. Wenn sich ein Schüler entschließt einen Schulabschluss zu machen, oder wenn der Wechsel auf eine Regelschule ansteht, dient der baden-württembergische Lehrplan zur Orientierung.

 

Müssen Schüler nicht wenigstens Lesen, Schreiben und Rechnen lernen?

Lesen, Schreiben und Rechnen sind zweifelsfrei wichtige Fähigkeiten. Sie sind aus unserer Welt nicht wegzudenken. Daher sind Kinder auch in der Schule ständig mit Buchstaben und Zahlen konfrontiert.

Schüler wollen früher oder später, Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, weil es für sie unmittelbar nützlich ist. Zumeist passiert das Lernen beiläufig, wie von selbst, während die Schüler ganz andere Ziele verfolgen oder sich mit ihren Interessen beschäftigen.

Die Erfahrung anderer FAS haben gezeigt, dass alle Kinder Lesen & Schreiben und die wichtigen Kulturtechniken beherrschen, wenn auch nicht im gleichen Alter. Entscheidend ist, dass sobald sie es können der Zeitpunkt, wann sie es gelernt haben, in den Hintergrund rückt. So lernen beispielsweise schon manche 4-Jährige Lesen & Schreiben, verfolgen diese Fertigkeit aber nicht tiefer und jemand anderes lernt es erst mit 9 Jahren, wird aber ein begeisterter Geschichtenschreiber und Bücherwurm.

 

Müssen für bestimmte Fachrichtungen nicht frühzeitig die Grundlagen gelegt werden?

Grundsätzlich ist jeder Mensch zu unterschiedlichen Zeitpunkten für bestimmte Themen aufnahmefähig. Wenn Lernen nachhaltig und effektiv stattfinden soll, ist es wichtig, Kinder nicht unter Druck zu setzen, sondern den Moment abzuwarten, bis sie von sich aus Interesse zeigen. Es ist nicht hilfreich, frühzeitig pauschale Grundlagen für Themenbereiche zu vermitteln, die für den Schüler (noch) nicht bedeutsam sind.

Die Erfahrungen anderer FAS haben gezeigt, dass Schüler den Unterrichtsstoff mehrerer Jahre in einigen Wochen lernen können, wenn sie an einem Thema interessiert sind und ihre Begeisterung entfacht wird.

 

Besteht die Gefahr, dass Schüler sich mit bestimmten Fächern überhaupt nicht beschäftigen?

Ja, das kann passieren. Gleiches geschieht aber auch an Regelschulen. Wichtige Themengebiete wie z.B. Recht, Psychologie, Philosophie, Pädagogik, Wirtschaft und Verbraucherschutz sind an Regelschulen in der Regel massiv unterrepräsentiert. 

Wenn Schüler sich mit Themen beschäftigen, für die sie sich nicht interessieren, bedeutet das nicht, dass sie die entsprechenden Inhalte nachhaltig lernen. Viele Schüler lernen nur für die nächste Klausur und vergessen danach schnell wieder. Da Schüler von FAS nicht zum Lernen gezwungen werden, bleiben sie jeglichen Themengebieten gegenüber aufgeschlossen, während viele Regelschüler von den Inhalten, für die sie sich nicht interessiert haben und sie dennoch lernen sollten, oft auch langfristig nichts mehr wissen wollen.

 

Sind Schüler denn nicht überfordert, wenn sie selbst bestimmen sollen, was sie lernen?

Der Frage liegt die Annahme zugrunde, dass Erwachsene einschätzen können, welche Lerninhalte zu einem bestimmten Zeitpunkt für die Schüler wissenswert sind.

Wissenswert sind Lerninhalte, wenn sie an die Interessen und Lebenssituationen der Schüler anknüpfen. Ob dies zutrifft, können diese nur selbst beurteilen und entscheiden. Erwachsene können Kindern und Jugendlichen hinsichtlich möglicher Lerninhalte jedoch Anregungen geben, sie inspirieren, ermutigen und beraten. So sind die Schüler nicht völlig sich selbst überlassen, sondern können sich an den anderen Schülern und Erwachsenen orientieren oder an bestehenden Kursen teilnehmen. Zudem hat jeder Schüler einen persönlichen Mentor, der den individuellen Lernprozess begleitet und dem Schüler zur Seite steht.

 

Woher wissen Schüler, was man alles lernen kann?

Lernbereiche ergeben sich oftmals aus der Notwendigkeit, bestimmtes Wissen oder bestimmte Fertigkeiten zu erlangen, um in alltäglichen Lebenssituationen zurechtzukommen oder Problemstellungen zu lösen. Auf weitere Kenntnisse und Fähigkeiten die man erlernen kann, stoßen die Schüler aufgrund ihrer persönlichen Interessen, denen sie nachgehen und mit denen sie sich tiefergehend befassen. Schüler und Lehrer, die Experten auf einem bestimmten Gebiet sind, inspirieren wiederum andere.

FAS sind nicht an die staatlichen Lehrpläne gebunden, stellen aber die Möglichkeiten zur Verfügung sich dieses Wissen anzueignen und bieten darüber hinaus weitere Themenbereiche an, da sie prinzipiell für alle Themen offen sind, die die Schüler mit einbringen.

 

Wie können die Schüler ihre Leistungen und Kompetenzen einschätzen?

Schüler merken meist selbst, welche Dinge sie können und welche nicht. Sie stellen fest, ob ihnen ihre Vorhaben gelingen. Oder sie schätzen sich selbst ein, indem sie sich mit anderen in Beziehung setzen. Eine natürliche Prüfungssituation ergibt sich z.B. dann, wenn man anderen etwas erklärt oder von etwas berichtet. Dabei merkt man automatisch, ob man es verstanden hat. 

Durch die Lernbedingungen an FAS - individuelle Lernvereinbarungen, Lernen in kleinen Gruppen und den hohen Stellenwert des informellen Lernens - besteht viel Raum für individuelle und unmittelbare Rückmeldungen. Als Mittel zur Selbsteinschätzung stehen zudem Kompetenzraster für alle gängigen Unterrichtsfächer zur Verfügung.

 

Muss ein bisschen Druck nicht sein, damit man etwas lernt?

Wenn beim Lernen von anderen Druck erzeugt wird, rücken negative Szenarien, wie Scheitern und Versagen, in den Vordergrund. Da das menschliche Gehirn Informationen nicht einfach neutral abspeichert, sondern diese mit bestimmten Gefühlen verbindet - insbesondere mit der Situation, in der man etwas gelernt hat - besteht die Gefahr, dass unter Druck Gelerntes mit negativen Emotionen verknüpft wird. Dies kann zu Abwehrreaktionen oder zur gänzlichen Abneigung gegenüber Lerninhalten führen.

Aus Druck resultierende negative Emotionen können das kurzfristige Einspeichern von Lerninhalten fördern. Sie verhindern jedoch die angestrebte bewusste, kreative Wissenserweiterung mit Nachhaltigkeit und Problemlösung. Bei intrinsisch motiviertem Lernen (Lernen aus eigenem Antrieb), hat der Lernende selbst die Möglichkeit sich Drucksituationen - z.B. einer Theateraufführung vor großem Publikum - auszusetzen. Er hat Einfluss auf das Maß an Druck und stellt sich Herausforderungen entsprechend seiner Kenntnisse und Fähigkeiten.

 

Was aber ist, wenn mein Kind gar keine Lust hat irgendetwas zu lernen und den ganzen Tag nur spielt?

Das freie Spiel wird an Freien Alternativschulen als wichtiger Bestandteil der Persönlichkeitsbildung und des Lernprozesses verstanden. Daher wird ihm auch sehr viel Platz eingeräumt. (Siehe "Die Freiheit des freien Spiels" unter "Freiheit und Demokratie").

Der Mensch ist von Natur aus neugierig. Jedes Kind wird sich daher früher oder später auf die Suche nach seinen persönlichen Interessen machen. Eine Freie Alternativschule soll den Rahmen bieten, dass jeder Schüler seinen eigenen Interessen nachgehen kann - unabhängig davon, ob Erwachsene diese "sinnvoll" finden oder nicht. Seinen Interessen nachzugehen bedeutet bei einer Sache zu bleiben, sich zu konzentrieren und sich selbst besser kennen und vertrauen zu lernen. Welche Sache das genau ist, ist in diesem Moment zweitrangig.

 

Können die Schüler an einer FAS einen Abschluss machen?

Nein, die FAS bereiten die Schüler nur auf ihren gewünschten Abschluss vor. Die Abschlussprüfung wird dann an einer Regelschule absolviert.

 

Bereitet diese Schulform die Kinder ausreichend auf das Erwachsenenleben vor?

Wir Befürworter dieser Schulform sind überzeugt, dass Freie Alternativschulen die jungen Menschen sogar besser auf das Erwachsenenleben vorbereiten, als Regelschulen dies tun. Als erwachsener Mensch müssen wir ständig Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür tragen. Das ist es auch, was die Kinder im Schulalltag an einer Freien Alternativschule ständig tun. An Regelschulen hingegen wird den Kindern die meiste Zeit über gesagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Zudem beschränkt sich das soziale Miteinander an Freien Alternativschulen nicht auf Pausen oder Gruppenarbeiten, sondern ist der größte Bestandteil des Alltags. Dabei erwerben die Kinder viele Sozialkompetenzen. Bemerkt wird immer wieder, dass die meisten Absolventen von Freien Alternativschulen sehr sprachgewandt und äußerst selbstbewusst sind. Zusammen mit der Kreativität, die sie tagtäglich ausleben und ausweiten können, sind die genannten Qualitäten gute Voraussetzungen, um in einer sich immer schneller wandelnden Welt voller Herausforderungen gut bestehen zu können.

 

Warum gibt es an Freien Alternativschulen in der Regel keine Klassenarbeiten oder Noten?

Die Aufgabe von Noten an Regelschulen ist es, die jungen Menschen einzuteilen und ihre Stärken und Schwächen darzustellen. Dies greift allerdings extrem kurz. Es gibt zahlreiche Kompetenzen, die in Noten gar nicht dargestellt werden können oder die im Lehrplan nicht vorkommen und somit auch nirgends ersichtlich sind. Zudem können schlechte Noten einem jungen Menschen vermitteln, er sei dumm oder zumindest dümmer als die "besseren" Kameraden. Das ist demotivierend und fördert kaum ein gesundes Selbstbewusstsein. Ein weiterer Punkt der gegen die Notenvergabe spricht ist, dass sie für den Schüler eine "Bestrafung" (schlechte Noten) oder "Belohnung" (gute Noten) darstellen. Der Schüler versucht entweder, der Bestrafung zu entgehen oder die Belohnung zu bekommen. Der Inhalt, um den es eigentlich beim Lernen gehen sollte, wird völlig zweitrangig und häufig nach der Notenvergabe / Klassenarbeit wieder vergessen. Dabei lernen die Kinder unter Zwang und nicht selbstmotiviert. Vertraue ich jedoch darauf, dass jedes Kind das lernt, wozu es sich selbst begeistert, ist es völlig widersinnig, das Erlernte mit Klassenarbeiten und Noten überprüfen zu wollen. Das widerspräche dem Vertrauensprinzip.

 

Warum gibt es eine Altersmischung?

Das Interesse für ein bestimmtes Thema ist nicht vom Alter abhängig. Daher können sich auch Lerngruppen bilden, die ein vergleichsweise großes Altersspektrum umfassen. Es soll Niemand aufgrund seines Alters ausgeschlossen werden. Die vollständige Altersmischung ergibt sich automatisch dadurch, dass Schüler selbst entscheiden können, was sie lernen wollen und somit auch, zu welchem Zeitpunkt sie sich bestimmten Themen widmen. Es ist nie zu früh oder zu spät, sich mit etwas zu beschäftigen.

 

Benötigen nicht gerade jüngere Schüler feste Strukturen?

Zum einen gibt es an FAS Strukturen, die den Schülern Orientierung bieten. Hierzu gehören die Morgenkreise, die wöchentliche Schulversammlung, sowie alle bestehenden Lernangebote. Zum anderen sind auch jüngere Schüler in der Lage, Bedürfnisse nach Struktur zu äußern und entsprechende Umsetzung einzufordern. Dies können Rituale, Lernvereinbarungen und Kurse sein. Der Mentor kann seinem Schüler helfen solche Strukturen zu entwickeln.

Nach der Erfahrung anderer FAS kommen insbesondere jüngere Schüler mit der freien Verfügung über ihre Zeit gut zurecht; sie sind nahezu pausenlos aktiv. Es sind eher die älteren Schüler, die schon viele Jahre an Regelschulen verbracht haben, diejenigen die anfänglich Probleme mit der Freiheit haben.

 

Wie sieht der Tagesablauf aus?

Die Tages- und Wochenplanungen der Schüler können sehr unterschiedlich aussehen.Es gibt flexible Ankommens- und Schlusszeiten und die Möglichkeit, Tage an außerschulischen Lernorten zu verbringen. Auch die freie Wahl der Kurse, Projekte und sonstiger Aktivitäten führt dazu, dass jeder Schüler einen individuellen Tagesablauf hat. Jedoch gibt es wesentliche Orientierungspunkte für alle Schüler, wie die wöchentliche Schulversammlung, Morgenkreise und ein regelmäßiger Austausch mit dem persönlichen Mentor.

 

Gibt es an FAS verbindliche Regeln?

Ja, es gibt verbindliche Regeln. Diese Regeln werden in der Schulversammlung gemeinsam beschlossen. So haben alle Schüler und Mitarbeiter die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Bestehende Regeln sind hinterfragbar und können verändert oder verworfen werden.

 

Sind Schüler und Mitarbeiter gleichberechtigt?

Jeder Schüler und jeder Mitarbeiter hat in der Schulversammlung eine gleichwertige Stimme. Schüler und Mitarbeiter müssen sich gleichermaßen an die Schulregeln halten.

Bei Regelverstößen werden alle in gleicher Weise zur Verantwortung gezogen. Allerdings haben die Mitarbeiter aufgrund ihres Arbeitsvertrages weitere Pflichten.

 

Wenn alles so frei und offen ist, ist es dann überhaupt eine Schule?

Eine Schule ist ein Ort des Lernens - so auch die Freie Schule Zollernalb. Hier stehen verschiedene Lernmaterialien und Lerngelegenheiten zur Verfügung oder können bei Bedarf organisiert werden.

 

 

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© Miriam Baermann